Wie der Wind in den Gräsern

von Christopher Abendroth (www.abendwelten.de)

 

Wie das endlose Meer erstreckte sich die Savanne bis hin zum Horizont. Und wie dessen Wellen wogte das satte, grüne Gras im stetigen Wind, der den Geruch der fernen Wüste mit sich trug. Farrahs Augen, obsidianschwarz und voller Sehnsucht, ruhten auf diesem wundervollen Anblick, der von einer Freiheit kündete, die niemals die ihre sein würde. Der Fluch einer Sultanstochter lag auf ihr. Gefangen in einem Netz aus väterlicher Liebe, höfischen Pflichten und der Last der Erbfolge würde sie unmöglich dem Palast entfliehen können, der sich über die Stadt und das umliegende Land erhob.

Hier gab es nur eine Seele, die Farrahs Sorgen kannte und ihr Herz verstand: ihr treuer Diener Rakesh. Sie zweifelte keinen Wimpernschlag daran, dass er es war, der gerade den Balkon betrat. Niemand bewegte sich derart geräuschlos – einzig das Rascheln seines Gewandes verriet ihn. Voller Freude wandte sie sich ihm zu, doch zerschlug sein Anblick ihr Lächeln in tausend Stücke. Blut klebte an einem halben Dutzend Stellen im sandfarbenen Fell des Sha’Kirs. Ein langer Schnitt verlief schräg über die Schnauze des pumagleichen Gesichts und er hinkte auf dem rechten Bein. Allein seine smaragdgrünen Augen blickten ruhig und ungebrochen.

Ein kummervolles Seufzen stieg in ihrer Brust auf und formte sich zu Worten: "Oh Rakesh, was haben sie dir nur angetan?"

Ihr Diener lächelte grimmig. "Die wöchentliche Bestrafung für einen vorlauten Sklaven, Herrin, mehr nicht."

"Du hättest damals schweigen sollen", raunte sie.

"Nichts sagen, wenn der Sultan und seine Gelehrten mir befehlen, meine Meinung zu äußern?" Rakesh schüttelte bedächtig den Kopf. Er schien zu ahnen, dass sie es gut mit ihm meinte. "Ich wusste, dass es nicht ratsam war, die Stimme zu erheben. Doch es nicht zu tun, wäre Verrat an mir selbst gleichgekommen. Sie befahlen mir, frei zu sprechen, Herrin." Seine Ohren sanken herab, seine Augen suchten die ihren und er flüsterte kaum hörbar: "Frei, begreift Ihr?" Sein Blick glitt von ihr ab, hinaus in die Ferne, die einst seine Heimat gewesen war. Der Schmerz, die Sehnsucht und der Hunger nach Freiheit, die dabei auf seinem noblen Antlitz lagen, schnitten tief in ihr Herz.

Farrah folgte Rakeshs Blick und all ihre Träume von Unabhängigkeit und Ängste vor einem Leben in höfischer Gefangenschaft kehrten mit Wucht zurück. "Oh, ich verstehe dich allzu gut.", sagte sie und seufzte schwer. "Meine Seele sehnt sich nicht weniger danach, von hier fortzulaufen."

"Ihr glaubt, dass es Gefangenschaft ist, die Euch hält?", erwiderte der Sha’Kir und sein abweisender Tonfall machte mehr als deutlich, dass er ihre Bemerkung für unpassend hielt. "Ich sehe weder Fußfesseln, die Euch binden, noch Schwerter, die Euch töten würden, wenn Ihr geht."

Verletzt durch diesen unerwarteten Angriff, drehte sie sich zu ihm um. "Ich bin deine Freundin, Rakesh!"

"Und ich bin Euer Sklave, Herrin.", entgegnete er nüchtern.

Seine Worte stießen wie ein Dolch in ihre Brust. Wieso wandte er sich gegen sie? Jedoch kannte Farrah den Schmerz und wusste ihm zu begegnen. Mit hundertfacher Übung verbannte sie jegliche Güte aus ihrem Gesicht, bis nur eine Maske blieb, welche sie schützte. "Dann geh und lass mir ein Bad ein!", befahl sie kühl.

Ergeben verneigte sich ihr Diener stumm und hinkte in den Palast. Farrah sah ihm traurig hinterher. Mit jeder neuen Bestrafung wurde er härter und abweisender. Letzten Endes würde sie den einzigen Freund verlieren, den sie besaß.

 

Das Bad – so vollendet es der Sha’Kir auch mit Gewürzen und Ölen bereitet hatte – vermochte es nicht, ihr die gewohnte Entspannung zu bringen. Selbst Stunden später im Bett fand sie nicht die Ruhe, um einzuschlafen. Ein Wirrwarr an Gedanken wühlten ihr Innerstes auf, entfesselt durch Rakeshs Wunden und Worte. Immer wieder musste sie an jenen Abend zurückdenken, an dem er diesen folgenschweren Fehler begangen hatte ...


Farrahs Vater versammelte von Zeit zu Zeit einflussreiche Freunde und Gelehrten um sich, weil er gerne Gespräche führte, die den Geist belebten. Auch seine Tochter war an jenem Abend zugegen, begleitet von ihrem getreuen Diener Rakesh. Dieses Mal kam die Runde auf die Bedeutung der Freiheit zu sprechen und bald nahm eine angeregte Diskussion ihren Lauf. Die Würdenträger redeten viel von Stärke und Weisheit, welche die Herrschaft eines Mannes ermöglichten. Sie rühmten die unangefochtene Unabhängigkeit des Sultanats, die auf einer hervorragend ausgerüsteten Armee fußte und auf dem Reichtum aufbaute, den die kluge Handelspolitik des Sultans mit sich brachte. Farrah hingegen ... kam nicht zu Wort.

Als der Abend fortschritt und die Stimmung zunehmend gelassener und frohgemuter wurde, äußerte einer der Adligen im Scherz, dass doch der Sklave sprechen solle, was Freiheit für ihn bedeutete. Die Männer lachten herzhaft über diesen köstlichen Spaß und drängten den armen Rakesh, vorzutreten. "Nun, Sha’Kir, was vermagst du uns von der Freiheit zu erzählen? Sprich offen, das ist ein Befehl!"

In Farrah brodelte die Wut wegen dieses erniedrigenden Verhaltens. Rakesh jedoch verneigte sich ehrerbietig, musterte gleichmütig die Runde und sprach mit rauer, bedachter Stimme: "Ihr weisen Herren redet von der Unabhängigkeit, als wäre sie die Frucht eurer Weisheit und der Stärke eures Schwertarms. Ihr rühmt die Macht des Sultanats, als bräuchte es dafür einzig und allein geschickte Regierungsgewalt. Die Freiheit aber ist ein Geschenk, ihr Mächtigen – vom Schöpfer einem jeden fühlenden Wesen gegeben. Männer wie ihr seid es, die anderen die Freiheit nehmt. Männer wie ihr seid es, die Familien zerreißen, um ein wehrhaftes Heer aufzubauen. Männer wie ihr lebt von den Steuergeldern, die fleißige Händler, Bauern und Handwerker für euch mit ihrem Schweiß bezahlen."

Die Gesichter der Versammelten waren ernst geworden. Auf einigen zeichnete sich deutlich Unmut ab, Rakesh jedoch fuhr unbeirrt fort: "Ihr glaubt, ihr seid frei? Bücher – von anderen geschrieben – geben euch Wissen und Weisheit. Ihr seid befreit von Alltagslasten, die Sklaven für euch verrichten. Von der Angst vor dem Tod im Krieg befreien euch Tausende Soldaten, die im Dienste der Armee geknechtet werden. Eure Schwerter schmieden andere, eure Gewänder weben Untertanen, euer Essen gedeiht auf fremden Äckern und Weiden.

Eure sogenannte Freiheit verdankt ihr unzähligen Menschen, ohne die eure Macht zusammenbrechen würde. Und ihr wisst das. Deshalb verhängt ihr drakonische Strafen gegen Ungehorsam, darum seid ihr jeden Tag damit beschäftigt, eure Freiheit dem Machterhalt zu opfern. Zu welcher Stunde wart ihr das letzte Mal frei von diesen Sorgen? Wann habt ihr zuletzt unter den Augen Anderer keine Masken getragen, um die bei Laune zu halten, die bedeutsam sind für eure ... Freiheit?"

Farrahs Vater hatte den Worten des Sha’Kir eher besonnen als zornig gelauscht. Viele seiner mächtigen Gefährten hingegen brodelten vor Zorn. Lauthals verlangten sie nach der Bestrafung solchen Übermuts. "Du bezweifelst, dass wir frei sind?", fragte der Emir Vahid, wohl der gefährlichste der Freunde des Sultans.

"Seid Ihr es denn?", erwiderte Rakesh ohne Zögern. "Sollten Euer Haus niederbrennen und jene sterben, die Euch dienen, was tut Ihr dann? Ihr werdet verhungern, verdursten oder gefressen. Doch falls dieser Palast niederbrennt und ich überlebe, so werde ich frei sein wie der Wind, der über die Savanne streicht."

Betretenes Schweigen breitete sich aus, in dem auch Wut kochte. Vahid brach es schließlich mit einem überlegenen Lächeln auf den Lippen: "Alsdann, Kind des Landes ... Ich denke, ich spreche für alle hier, wenn ich dir für deine erleuchtenden Einblicke einen Lohn gebe. Einmal in der Woche sollst du den Versuch unternehmen können, dem Palast zu entfliehen, ohne die Strafe des Todes fürchten zu müssen." Die zornigen Gäste erkannten sofort, welch perfider Gedanke dahinter steckte, und stimmten nachdrücklich auf die flachen Tische klopfend zu.

Dem Sultan entgingen die flehenden Augen seiner Tochter ebenso wenig wie der ungebrochene Stolz des Sha’Kirs. Aber er sah auch die empörten Gesichter jener Männer, die unentbehrlich für ihn waren. "So also bewahrheiten sich deine Worte, Sklave.", sagte er bedächtig. "Masken und Bündnisse, im Kleinen wie im Großen, besiegeln nun dein Schicksal. Du wirst das Geschenk Vahids annehmen müssen."

 

Wie um einen Geist abzustreifen, richtete sich Farrah in ihrem Bett auf und schob diese Erinnerung beiseite. Im Dunkeln konnte sie nur die Umrisse Rakeshs erkennen, der zu ihren Füßen auf dem nackten Fußboden zusammengerollt schlief. Es waren viele Wochen vergangen, seit jenem Abend, und seitdem hatte der Sha’Kir seine Fluchtversuche mit immer schwereren Wunden und dem Spott durch die falschen Freunde des Sultans bezahlt.

"Warum tust du das nur, Rakesh?", flüsterte sie. "Sie vernichten dich mit der Hoffnung in deinem Herzen, irgendwann wieder frei zu sein – mit jedem Mal ein wenig mehr."

Ihr Diener richtete sich auf und sah sie durch die Dunkelheit hinweg an. "Es ist schlimmer als dies, Herrin. Habt Ihr die Worte nicht beachtet, die Vahid sprach? Dem Palast zu entfliehen wird mir vielleicht gelingen, aber mein Äußeres verdammt mich auf alle Zeit dazu, ein Sklave zu sein. Es gibt keine Freiheit für die Sha’Kir nördlich der Wüste. Er weiß das."

"Warum ..." Schläfst du nicht?, wollte sie ihn fragen, doch das klang dumm und sinnlos. "... versuchst du es dennoch?"

Rakesh Schatten senkte schweigend den Kopf. Erst nach einer geraumen Weile sagte er kaum vernehmbar: "Es ist der Traum, irgendwann frei zu sein, der mich am Leben hält. Nicht zu kämpfen würde heißen, ihn aufzugeben." Dann hob er sein Haupt wieder. "Und ich glaube, das ist es, was Vahid begehrt ... dass ich lerne, zu kapitulieren."

Farrah schwieg betroffen. Wie mochte es sein, ein Dasein ohne Hoffnung zu fristen? Würde sie eines Tages ebenfalls aufgeben? Würde sie sich dem Druck der Erwartung beugen und sich von Gewohnheit einlullen lassen? Und dennoch ... es lagen Welten zwischen dem, was ihr ... Sklave durchmachte und dem, was sie als Qual empfand. "Es tut mir leid, Rakesh.", raunte sie schließlich.

Sie konnte sein Lächeln nicht sehen, hörte es trotz alledem in seiner Stimme, die ihr allzu vertraut war: "Das muss es nicht. Ihr seid die einzige Seele in diesem Palast, die gut zu mir ist."

Sacht schüttelte sie den Kopf. "Das meinte ich nicht. Ich möchte mich für mein närrisches Verhalten auf dem Balkon entschuldigen. Es war töricht von mir, mein Schicksal mit dem deinen zu vergleichen."

Rakesh legte sich wieder hin und rollte sich zusammen. Schon glaubte sie, er würde nicht mehr antworten, als seine Stimme doch noch zu ihr drang: "Euer Wunsch nach Freiheit ist nicht weniger wert als der meine, Herrin. Indes unternehmt Ihr nichts, um der Abhängigkeit zu entfliehen, die Eure Fesseln sind." Hiernach verfiel er dem Schweigen und überließ die Sultanstochter ihren Gedanken und der Dunkelheit.

 

In den folgenden Tagen schienen Farrah die Mauern des Palastes zunehmend unerträglicher. Jede Verbeugung, jeder Dienst und jeder traurige Blick Rakeshs erinnerte sie an ihre eigene Gefangenschaft. Und sie mahnten sie, dass sie selbst es war, welche die Verantwortung dafür trug. Je länger sie darüber nachdachte, umso mehr kamen ihr die Gründe, die sie hielten, eher wie Ausreden denn wie Fesseln vor.

Das nächste Mal kehrte Rakesh zerschundener als je zuvor von seiner Bestrafung zurück. Seine Sklavenrobe wies Risse und Schnitte auf. Durch den Verband, den man nachlässig um seinen linken Unterarm gewickelt hatte, sickerte frisches Blut. Das Schlimmste jedoch war für Farrah sein unverletztes Gesicht. Keine Gefühle regten sich darin und seine smaragdenen Augen blickten stumpf und kraftlos.

Farrah zögerte nicht lange, legte den Sha’Kir auf einen Teppich und schickte nach Bandagen, Heilkräutern und Salben. Rakesh schüttelte bestimmend den Kopf und wandte ein: "Es ist Euch untersagt worden, mir zu helfen." Sie überhörte seine Worte einfach und scheuchte die zögernde Sklavin fort. "Ich habe nicht die Heilkünste gelernt, um tatenlos zuzusehen, wie du leidest, Rakesh!"

Ihr Freund lächelte daraufhin entkräftet und das Leuchten kehrte in seine Augen zurück. "Höre ich da Zeichen des Ungehorsams?" Farrah antwortete nicht und senkte ihr Haupt, um seinen Blicken auszuweichen. Sie wollte nicht über die Antwort nachdenken, auch wenn diese bereits in ihr reifte. Und als sie endlich die Wunden ihres treuen Dieners reinigte, mit heilenden Kräutern bedeckte und verband, fühlte sie sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder lebendig und ... frei.

 

Unausweichlich kam der Tag der nächsten Bestrafung. Auf Drängen Vahids befahl der Sultan Farrah zu sich, damit sie dem Fluchtversuch des Sklaven von einem Fenster aus beiwohnte. Von hier aus sah Rakesh klein und unbedeutend aus, als er den weitläufigen Palastgarten betrat. An dessen anderem Ende warteten die geschlossenen Tore des Schutzwalls auf ihn. Das beinahe friedliche Bild von kunstvoll beschnittenen Büschen und plätschernden Springbrunnen wurde von den gerüsteten Männern gestört, welche heute die Züchtigung durchführten. Zu Farrahs Überraschung fand sie vier Emire unter den Soldaten.

Rakesh, mit nichts andrem als seinen blanken Händen bewaffnet, stand aufrechten Hauptes und ungebrochen da und erhob seine kraftvolle Stimme, die über den ganzen Platz hallte: "Ich bin Rakesh, Sohn des Rashek! Noch ehe die Sonne versunken ist, werde ich so frei wie der Wind sein!" Seinen Worten haftete etwas derart Endgültiges an, dass sich Farrahs Herz verkrampfte. Sie würde ihren Freund nicht wiedersehen.

Mit einem Gebrüll, das einen Löwen mit Neid erfüllen mochte, stürmte der Sha’Kir auf eine der Wachen los. Bevor diese so recht wusste, wie ihr geschah, war ihr Arm gebrochen und ihr Schwert hatte einen neuen Herrn. "Ich wandle auf dem Pfad der Klinge!", rief er erschreckend hart. "Kreuzt meinen Weg und sterbt!"

Eine ungewohnte Anspannung bemächtigte sich Farrahs Vater und seiner falschen Freunde unten auf dem Platz. "Das hat er noch nie getan.", murmelte der Sultan und musste mit ansehen, wie ein Sha’Kir-Krieger mit tödlicher Eleganz durch die Reihen seiner Soldaten und Emire glitt. Nahezu unverletzt erreichte er das Torhaus. Wenig später schwangen die schweren Tore auf, Rakesh huschte wieder ins Freie und entkam durch das Tor, ohne sich umzublicken. Dann ... war er fort.

Farrah erhob sich ruckartig. "Ich werde Euch ebenfalls verlassen, Vater – noch heute."

Er sah sie herablassend lächelnd an. "Du kannst nicht gehen, meine Tochter. Der Thron braucht eine Erbin! Du trägst schon lange die Bürde, das Sultanat mit Erhabenheit zu vertreten." Als er ihren harten Blick bemerkte, fügte er mit Gram in der Mine hinzu: "Und bedeutet dir meine Liebe gar nichts, dass du mich einfach so im Stich lassen könntest?"

Behutsam ergriff sie seine Hand. "Du bist ein weiser Herrscher, Vater, und ahnst die Antworten bereits. Der Thron wird mich als Erbin nicht verlieren, nur weil ich fort bin. Und bis ich den Herrschersitz besteige, will ich hinausgehen und als Heilerin etwas bewirken, das Bedeutung hat. Diene ich dem Sultanat dort draußen nicht besser, als hinter Palastmauern, um vor deinen sogenannten Freunden zu buckeln?" Sie küsste ihn auf die Wange. "Und ich liebe dich, Vater. Bitte vertraue darauf. Liebe kehrt immer aus freien Stücken zurück. Mein Entschluss steht ..."

Lärm kam im Palastgarten auf und Farrah musste voller Entsetzen Emir Vahid erblicken, der garstig lachend Rakesh an einem Bein durch das Tor zerrte. Pfeile steckten in Brust, Bauch und Waden des Sha’Kir und Blut rann aus seiner Schnauze.

Mit einem Aufschrei riss sich Farrah von diesem Anblick los und rannte hinunter zu Rakesh. Als sie neben ihm auf die Knie sank, ließ es sich nicht länger leugnen: Er würde bald sterben. Tränen flossen ihre Wangen hinab, fielen und versickerten in seinem Fell. Ihr Freund jedoch lächelte unter Schmerzen und raunte: "Ich habe Euch doch gesagt, dass es keine Freiheit für einen Sha’Kir geben kann – einzig den Tod. Es gibt Schicksale ..." Er hustete gurgelnd. "... denen vermag man nicht zu entrinnen."

"Ich ... habe einen Weg gefunden, dem meinen zu entfliehen, mein Freund.", sagte sie sanft.

"Dann waren all die Wochen vorgetäuschter Flucht nicht umsonst.", erwiderte er und deutete lachend Blut spuckend auf Vahid. Sein ungläubiger Blick sprach Bände.

"Du hättest bereits beim ersten Mal fliehen können, nicht wahr? Warum hast du es nicht getan?"

Rakesh schloss zitternd die Augen und flüsterte ohne Kraft: "Jemand musste Euch den Weg aufzeigen, Herrin."

Seine Worte ließen sie ratlos den Kopf schütteln. "Aber aus welchem Grund?"
"Weil mein erbärmliches Leben so noch einen Sinn hatte. Und weil ..." Er sog noch einmal kräftig Luft ein und sagte mit seinem letzten Atem: "... ich Euer Freund bin, Farrah."





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